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Im Januar 2026 habe ich mich mit einer Reihe klar formulierter Fragen an die Schweizerische Nationalbank (SNB) gewandt. Die Fragen betrafen unter anderem:
den Zeitpunkt der Intervention am Devisenmarkt,
die wirtschaftlichen Folgen dieser Entscheidung,
strukturelle Unterschiede zwischen dem Franken und dem Euro,
die heutige Relevanz des „sicheren Hafens“,
die Instrumente der SNB zur Vermeidung zukünftiger Kapitalzuflüsse.
Ich bat ausdrücklich um präzise und getrennte Antworten auf jeden einzelnen Punkt.
Nachfolgend veröffentliche ich die Antwort der SNB sowie meinen Kommentar.
„Die Schweizerische Nationalbank legt in ihrem Geschäftsbericht ausführlich Rechenschaft über ihre Geldpolitik ab… Zu den strukturellen Stärken/Schwächen des Euros im Vergleich zum Franken und zu Ihrer Analyse von 2004 äussert sich die SNB nicht. Der Schweizer Franken gilt im Krisenfall nach wie vor als sicherer Hafen…”
Obwohl meine Fragen klar, einzeln und eindeutig formuliert waren, hat die SNB keine einzige davon beantwortet.
Stattdessen:
verweist sie auf allgemeine Geschäftsberichte,
lehnt Stellungnahmen zu strukturellen Vergleichen ab,
wiederholt die Standardformel vom „sicheren Hafen“.
Auf die konkreten Punkte – Zeitpunkt der Intervention, wirtschaftliche Folgen, strukturelle Unterschiede, heutige Bewertung des Franken oder verfügbare Instrumente – wird nicht eingegangen.
Die Reaktion der SNB entspricht einer typischen institutionellen Kommunikationsstrategie:
keine Diskussion alternativer Szenarien,
keine Bewertung eigener Entscheidungen,
keine Kommentare zu möglichen Fehlern,
keine detaillierten Auskünfte zu geldpolitischen Instrumenten.
Es handelt sich um eine formelle, nicht um eine inhaltliche Antwort.
Unbeantwortet bleiben unter anderem:
Warum erfolgte die Intervention erst bei 1.20 und nicht früher?
Hat die Verzögerung zu Deflation und Wettbewerbsverlust beigetragen?
Besitzt der Franken strukturelle Stärke vergleichbar mit dem Euro?
Ist der „sichere Hafen“ in der heutigen globalen Realität noch gerechtfertigt?
Über welche konkreten Mittel verfügt die SNB zur Abwehr zukünftiger Kapitalzuflüsse?
Da die SNB auf keinen der fünf Punkte eingegangen ist, betrachte ich die Angelegenheit von meiner Seite als abgeschlossen.
Michal Asman
Betreff: Bitte um präzise Stellungnahme zu meiner Anfrage – Ihre Antwort vom 30.12.2025
Sehr geehrte Frau Kleinewefers Lehner, sehr geehrter Herr Schlegel,
besten Dank für Ihre Antwort auf mein Schreiben. Leider geht Ihre Stellungnahme nicht auf die zentralen Punkte ein, die ich angesprochen habe. Daher formuliere ich meine Fragen erneut – klar, einzeln und so, dass eine präzise Antwort auf jeden Punkt erforderlich ist.
Ich möchte nochmals betonen, dass mein Schreiben nicht die CHF‑Kredite in Polen betraf. Mein Anliegen richtet sich ausschließlich auf das geldpolitische Handeln der Schweizerischen Nationalbank und die Folgen Ihrer Entscheidungen für die Schweizer Wirtschaft.
Bereits bei einem Wechselkurs von 1,40 CHF pro EUR war die massive Überbewertung des Frankens klar erkennbar. Die SNB griff jedoch erst bei 1,20 ein.
Warum erfolgte die Intervention nicht früher, obwohl die Risiken deutlich sichtbar waren?
Die verspätete Reaktion führte zu:
Erkennt die SNB an, dass die Verzögerung der Intervention zu diesen negativen Folgen beigetragen hat?
In der Zeitung „Rzeczpospolita“ vom 2. Februar 2004 wurde meine Analyse zitiert:
„In der Europäischen Union wird das Zinsniveau durch die Wirtschaft aller Mitgliedstaaten beeinflusst. Wenn in einem Land ein negativer Schock auftritt, dämpfen die anderen Volkswirtschaften diesen Effekt. Dadurch gibt es keine plötzlichen Ausschläge beim EURIBOR.“
Diese Analyse hat sich während der Griechenland‑Krise vollständig bestätigt. Der Euro stabilisierte die Situation, weil die Gemeinschaft der Eurozone die Schocks abfederte.
Stimmt die SNB zu, dass die Stabilität des Euro aus der wirtschaftlichen Gemeinschaft und der Skalierungskraft entsteht – und dass der Franken diese strukturelle Stärke nicht besitzt?
Der Ruf des Frankens als „sicherste Währung der Welt“ stammt aus einer Zeit, in der Europa aus vielen kleinen, schwachen Währungen bestand.
Heute jedoch:
Hält die SNB den traditionellen Sicherheitsmythos des Frankens unter den heutigen globalen Bedingungen weiterhin für gerechtfertigt?
Die globalen Finanzmärkte sind heute größer, schneller und volatiler als je zuvor. Selbst große Reserven können in einem extremen Marktumfeld unzureichend sein.
Welche konkreten Instrumente stehen der SNB heute zur Verfügung, um eine erneute übermäßige Aufwertung des Frankens rechtzeitig zu verhindern?
Aufgrund der Bedeutung der oben genannten Punkte bitte ich um:
eine separate, präzise Antwort auf jede der fünf Fragen, ohne Verweise auf allgemeine Dokumente und ohne Wiederholung historischer Beschreibungen.
Ich danke Ihnen im Voraus für eine sachliche und klare Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen Michael Asman
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